Wie lassen sich soziale Sicherung und digitale Verwaltung zukunftsfähig gestalten? Das einstündige Briefing in der singapurischen Botschaft gab einen Einblick in Singapurs Sozial- und Verwaltungssystem und rückte zentrale Themen der bevorstehenden Delegationsreise in den Fokus.
5 zentrale Erkenntnisse
Eigenverantwortung als Prinzip der Sozialpolitik
„Help individuals help themselves“ – dieser Grundsatz prägt Singapurs Ansatz der sozialen Sicherung. Singapur nutzt über den Central Provident Fund (CPF) ein individuelles, kapitalgedecktes Ansparsystem, bei dem Beschäftigte und Arbeitgeber gemeinsam auf personalisierte Konten einzahlen. Die angesparten Mittel sind flexibel und können unter bestimmten Voraussetzungen auch für den privaten Immobilienerwerb sowie die Gesundheitsversorgung eingesetzt werden. Mit CPF LIFE wird das angesparte Kapital ab dem Rentenalter schließlich in eine lebenslange monatliche Rente umgewandelt.
Singpass als Grundlage moderner Verwaltung
Singapur setzt auf eine landesweite digitale Identität, um den Zugang zu staatlichen und privaten Dienstleistungen zu vereinfachen. Mit Singpass, dem zentralen Zugang zur National Digital Identity (NDI), können Bürgerinnen und Bürger zahlreiche digitale Angebote nutzen, ihre Identität sicher nachweisen und Dokumente digital unterzeichnen. Über angebundene Dienste wie MyInfo können persönliche Daten mit Zustimmung der Nutzerinnen und Nutzer für digitale Formulare bereitgestellt werden. Das erleichtert Verwaltungsprozesse und reduziert die wiederholte Eingabe bereits vorliegender Informationen. Etwa 97 % aller singapurischen Bürgerinnen und Bürger ab 15 Jahren sind bei Singpass registiert.
Demografischer Wandel und Arbeitsmarkt
Singapur begegnet dem demografischen Wandel unter anderem mit Maßnahmen, die älteren Menschen eine längere Erwerbstätigkeit ermöglichen. Seit Juli 2026 liegt das gesetzliche Rentenalter bei 64 Jahren, das Wiederbeschäftigungsalter bei 69 Jahren. Arbeitgeber müssen geeigneten Beschäftigten grundsätzlich eine Weiterbeschäftigung bis zu diesem Alter anbieten. Ergänzend fördert die Regierung Weiterbildungen und unterstützt Arbeitgeber finanziell bei der Beschäftigung älterer Arbeitskräfte. So verbindet Singapur längere Erwerbsbiografien mit Qualifizierung und gezielten Anreizen für Unternehmen.
Wohnen als zentraler Teil der sozialen Sicherung
In Singapur sind Wohneigentum und soziale Vorsorge eng miteinander verbunden. Rund 90 Prozent der Haushalte in Singapur sind Eigentümer ihrer Wohnung oder ihres Hauses. Das zuvor genannte Vorsorgesystem CPF ermöglicht es, angesparte Mittel unter bestimmten Voraussetzungen für den Immobilienerwerb zu nutzen. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, gebundenes Vermögen im Alter wieder verfügbar zu machen, z. B. durch staatliche Rückkaufprogramme. Damit wird Wohnen zu einem wichtigen Baustein der langfristigen sozialen Absicherung.
Vertrauen und internationale Zusammenarbeit
Vertrauen spielt nicht nur bei der Digitalisierung eine zentrale Rolle, sondern bildet auch das Fundament für stabile internationale Beziehungen. Der Botschafter betonte zum Abschluss des Briefings die Bedeutung einer Zusammenarbeit, die auf Rechtsstaatlichkeit und verlässlichen Partnerschaften beruht. Der Austausch über Best Practices bietet auch im Rahmen der bevorstehenden Delegationsreise nach Singapur die Gelegenheit, voneinander zu lernen und neue Impulse für die Weiterentwicklung der deutschen Sozialverwaltung zu gewinnen.