Smart Governance
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Smart Government auf regionaler Ebene

Behörden im strategischen Wandel durch künstliche Intelligenz

Prof. Dr. Christian Schachtner über die notwendigen Aspekte, mit denen der Aufbau eines smarten Government gelingt.

Christian Schachtner

Der Wandel hin zu mehr Nutzung von digitalen Kommunikations- und Informationsdiensten findet gesellschaftlich zunehmend Akzeptanz. Er trifft damit den seit längerem im Gange befindlichen Veränderungsprozess der anspruchsbezogenen Beziehung von Staat zu Leistungsempfänger beziehungsweise politisch aktiven Gruppierungen. Durch diese heutigen Serviceanforderungen erhalten sowohl die Auseinandersetzung mit Nutzerszenarien im öffentlichen Aufgabenspektrum als auch die Rolle von Smart Government Strategien eine völlig neue Bedeutung.

Eine intelligente Nutzung und Modellierung von Daten für die Gestaltung nutzerfreundlicher Dienste, effizient digital unterstützte Prozesse und risikoanalysierte Entscheidungen werden zu gängigen Fragestellungen in der öffentlichen Verwaltung, ähnlich wie dies bei der Erbringung von Dienstleistungen von Privatunternehmen in mehreren Branchen bereits der Fall ist. Die Suche nach sinnvollen Einsatzmöglichkeiten von Technologien und Systemen kann unter Einbeziehung unterschiedlicher Automatisierungs- und Reifegrade erfolgen. Die Ausbaustufe autonom entscheidender Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI), maschinelles Lernen und Datenanalyse sind in einer Vielzahl von Sachverhalten des täglichen Lebens bereits im Produktiveinsatz.

In der Fläche ist der öffentliche Sektor hier hinter verschiedenen anderen Branchen wie Automobilwirtschaft, Health Care oder Digitalwirtschaft noch nicht im Stadium angekommen, Standards im Einsatz von Bot- und Assistenzsystemen etabliert zu haben. Daher sind in diesen Tagen vor allem explorative Studien im Quervergleich spannend, um sich das Thema im Kontext Public Management ganzheitlich zu erschließen.

Studien zu autonomen Systemen

Im Smart Cities and Regional Development (SCRD) Journal, welches von der Nationalen Universität für Politikwissenschaften und Public Administration (SNSPA) in Bukarest per OER-Zugang frei veröffentlicht wird, findet sich in der Juli-Ausgabe (Jahrgang 5, Nr. 3) unter anderem mein Artikel über die Erschließung des Themas auf kommunaler Ebene: "Smart government in local adoption – Authorities in strategic change through AI".

Darin werden unter anderem drei Studien zusammenfassend dargestellt, die das Thema des Einsatzes autonomer Systeme im Verwaltungsvollzug mit unterschiedlichen Fokusbereichen einen Beitrag zur Erschließung der Ganzheitlichkeit liefern. Es zeigt sich, dass vielfältige Faktoren zur erfolgreichen Implementierung von KI-gestützten Wirksystemen notwendig sind, welche für Behörden mit Einführung zu beachten sind. Daher sind Erhebungen über die Anwendungsvielfalt und Reifegrade von technologisch ausgereiften Systemen zur Ableitung von Pilotbereichen aus einer Smart Government Strategie heraus wichtig, um keine Kategorie aus den Umsetzungsüberlegungen auszuschließen.

Auch die Komplexität real-kausaler Wirkzusammenhänge in der Verwaltungsarbeit, die Vollständigkeit nachvollziehbarer Arbeitsdokumentationen und die Arbeitsaufwände bei der Implementierung von IT-gestützten Verfahren unter den aktuellen behördlichen Rahmenbedingungen sind wichtig zu kennen, bevor man automatisierte Datendienste entwickelt.

Ein Ökosystem Smart Government aufbauen

Wesentlich ist schließlich aber vor allem die Akzeptanz und das Verständnis von Führungskräften als Treiber von Digitalisierungsmaßnahmen im öffentlichen Sektor zu kennen, um diese gezielt fördern und ausbauen zu können. Schließlich kann ein Bedeutungszuwachs von datengetriebenen Entscheidungen zur Einführung neuer Funktionen wie CDO (Chief Digital Officer) oder CTO (Chief Transformation Officer) oder Lotsen unterschiedlicher Ebenen als Multiplikatoren führen, verbunden nach der Erkundung der Kompetenzentwicklungsprogramme und Lernpfade im sich dynamisch entwickelnden Umfeld.

Dies alles sind wichtige Bausteine zum Abbau von Barrieren, der Erhöhung von Datenqualität sowie dem Schaffen von Bewusstsein für Use Cases mit dynamischen Datasets, kurz gesagt: zum Aufbau eines Ökosystems von smartem Government. Derartige Strukturen können in den allermeisten Fällen nicht isoliert, sondern nur vernetzt in Kooperationsmodellen mit anderen Verwaltungseinheiten, erwerbsorientierten Dienstleistern und Wissenschaft und unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft gelingen. Gleichzeitig muss man sich bewusst machen, dass dies ein bedeutender Hebel der Wirksamkeit sein kann, was unter Beachtung des öffentlichen Auftrags eine sehr gute Ausgangslage für Legitimation staatlicher und kommunaler Initiativen darstellt.