Kühe fressen in einem Kuhstall
© Pixabay/Matthias Böckel

Tiergesundheit 4.0: Nordrhein-Westfalen entwickelt neuartiges Informationssystem zur Tiergesundheit

Anwenderfreundlich konzipiert zeigt das System, was Geodaten plus Analyse für Tierwohl und Lebensmittelsicherheit leisten können.

Zusammen mit dem Software-Spezialisten Disy entwickelt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW ein datenbasiertes Informationssystem zur Beurteilung von Tiergesundheit in landwirtschaftlichen Betrieben. Im Frühjahr 2021 soll es mit ausgewählten Anwendern in die Pilotphase gehen.

Olaf Nölle

Das neuartige Informationssystem Tiergesundheit 4.0 wird den zuständigen Aufsichtsbehörden zukünftig ein umfassendes, aktuelles Bild über den Gesundheitszustand der Nutztiere in Nordrhein-Westfalen liefern. Ziel ist, bei auffälligen Befunden frühzeitig eingreifen zu können. Tierhalter haben ebenfalls Zugriff auf das System: Sie können sich online genauestens über die Einschätzung ihres Betriebes durch die Behörde informieren. Damit wird zukünftig eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe gewährleistet. Tiergesundheit und Tierwohl in der Nutztierhaltung und die Sicherheit der Lebensmittel tierischer Herkunft sollen so weiter verbessert werden.

Software-Plattform Cadenza kombiniert Datenanalytik, Reporting und Geoinformationen

Tiergesundheit 4.0 wertet unterschiedliche Daten aus und fügt sie zu anschaulichen, leicht erstellbaren Kartenanalysen zusammen. Dem Karlsruher Software-Spezialisten Disy ist es Mithilfe der Software-Plattform Cadenza gelungen, Datenanalytik, Reporting und Geoinformationen in einer Anwendung zu verschmelzen – und das bei unkomplizierter Bedienung.

Cadenza-Web-Ansicht zur Klassifizierung der Betriebe
© Disy GmbH

„Mit Hilfe dieser Technologie, die eine Kombination von Karten, Tabellen und Diagrammen ermöglicht, werden Zusammenhänge und Aussagen über die Daten zur Tiergesundheit wesentlich einfacher erkenn- und darstellbar“, sagt Frank Mätzschker, Leiter des Fachbereichs 83 im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV). Eine erste Version wurde Ende Juni 2020 vorgestellt, im Frühjahr 2021 soll Tiergesundheit 4.0 mit ausgewählten Anwendern in die Pilotphase gehen.

Risikobeurteilung ermöglicht frühzeitiges Eingreifen

Das Informationssystem System bietet u. a. eine Übersichtskarte von Nordrhein-Westfalen, auf der alle tierhaltenden Betriebe angezeigt sind. Mithilfe von Vorlagen können über eine Clusterdarstellung zusätzliche Informationen wie Tierarten oder Produktionsrichtungen gewonnen werden. Eine klassifizierte Darstellung der Betriebe im Sinne einer Risikobeurteilung ist ebenfalls hinterlegt.

Cadenza ist das einzige auf dem Markt verfügbare Werkzeug, in dem Datenanalytik, Reporting und Geoinformationen nahtlos und in einer Software-Plattform miteinander verschmelzen. Auf dem Desktop, im Web und mobil: Daten können integriert ausgewertet, visualisiert und verteilt werden. Aufgrund seiner vielfältigen Funktionen, dem ausdifferenzierten Rechtemanagement und der einfachen Bedienung ist Cadenza als Werkzeug bereits an mehreren zehntausend Arbeitsplätzen im Einsatz.

Lanuv Risikobericht Tiergesundheitsdatenbank
© Disy GmbH

Klickt der Benutzer auf einen der klassifizierten Betriebe, erhält er die Stammdaten des Betriebs und dessen aktuelle Risikobewertung, die aus verschiedenen Kennzahlen errechnet wird. „Die Abschätzung des Risikos ist ein wesentlicher Bestandteil des Informationssystems“, so Frank Mätzschker. „Mit diesen Auswertungen können schon sehr viele verschiedene betriebsrelevante Informationen zum Thema Tiergesundheit gewonnen werden, welche mit unseren bisherigen Systemen nur schwer und unübersichtlich erarbeitet und dargestellt werden konnten.“

Mit Hilfe der Daten kann für jeden tierhaltenden landwirtschaftlichen Betrieb eine individuelle Risikobeurteilung mit Festlegung von Überwachungsfrequenzen erstellt und aktuell gehalten werden. Auffällige Befunde in einem Bereich der Tierhaltung führen zu einem Frühwarnsignal, das den zuständigen Überwachungsbehörden ein frühzeitiges Eingreifen ermöglicht.

Was leistet Cadenza bei Tiergesundheit 4.0?

Behörden-Mitarbeiter und Betreiber von landwirtschaftlichen Betrieben können in Cadenza optimierte Auswertungen einsehen und nutzen, Zugriffsrechte darauf werden ihnen über die Benutzerverwaltung erteilt. Ein Nutzer meldet sich dafür zuerst über das Verbraucherschutzportal an und erhält dann Zugriff auf verschiedene Anwendungen, darunter auch Cadenza Web. Die Nutzerinformationen werden mittels JSON Web Token an Cadenza übermittelt und Cadenza stellt die entsprechenden Auswertesichten bereit. Die Auswertungen werden auf Basis des Data Marts Tiergesundheit 4.0 konfiguriert. Das Data Mart extrahiert und transformiert für die Auswertungen relevante Datensätze aus verschiedenen Datenquellen im Aufgabenbereich via Talend.

Weitere Informationssysteme in Planung

Mit Tiergesundheit 4.0 wird den zuständigen Aufsichtsbehörden ein modernes Instrument bereitgestellt, mit dem sie die Anforderungen aus der neuen EU-Verordnung über amtliche Kontrollen und insbesondere die risikobasierten Kontrollen erfüllen können. Gleichzeitig sind Tierhalter jederzeit in der Lage, sich transparent über die Einschätzung ihrer Betriebe zu informieren.

Das LANUV NRW bewertet die Möglichkeiten von Tiergesundheit 4.0. positiv und hat schon neue Pläne. „Bereits jetzt sind weitere Informationssysteme im Bereich des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in Planung. Die Nachfrage ist deutlich gestiegen. Wir sind mit Cadenza auf einem guten Weg“, so Frank Mätzschker.

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