Die Diskussionen auf dem diesjährigen Digital Justice Summit haben eines verdeutlicht: Die Skepsis gegenüber der "Blackbox-KI" weicht zunehmend einem pragmatischen Interesse an funktionierenden Lösungen. Besonders im Fokus stand dabei die Frage, wie sich beispielsweise die enormen Textmengen in Massenverfahren oder komplexen Genehmigungsverfahren bewältigen lassen, ohne die juristische Kontrolle abzugeben.
Das Relationstool als Assistent, nicht als Richter
Im Rahmen unseres Best-Practice-Dialogs konnten wir zeigen, dass die Antwort in der Kombination von Technologien liegt. Moderne Sprachmodelle (LLMs) sind exzellent darin, Texte zu analysieren und Inhalte zu extrahieren. Sie scheitern jedoch oft an der strengen regelgeleiteten Logik der juristischen Subsumtion.
Hier setzt das vorgestellte Relationstool zur Aktenanalyse an, dass bereits in Pilotierungen (u.a. in Bayern) Aufmerksamkeit erregt. Es nutzt die Rulemapping-Methode, um die juristische Logik deterministisch vorzugeben, während die KI die Fleißarbeit übernimmt.
Das Tool analysiert vollautomatisch sämtliche Schriftsätze eines Verfahrens (Klage, Klageerwiderung, Replik, Duplik etc.). Anschließend identifiziert es den entscheidungserheblichen Tatsachenvortrag und ordnet ihn der jeweils relevanten Anspruchsgrundlage zu. Das Ergebnis ist keine „Halluzination“, sondern eine strukturierte Aktenübersicht des Parteivortrags, eine tabellarische Zuordnung der Tatsachen zur ermittelten Anspruchsnorm, eine präzise Zusammenfassung der nach Aktenlage unstrittigen und strittigen Punkte sowie ein entsprechend ausformulierter Tatbestandsentwurf. Für Richterinnen und Richter bedeutet das: Sie erhalten eine klar strukturierte Grundlage, auf der sie ihre juristische Arbeit effizient und konzentriert fortführen können.
Von Justiz bis zur Verwaltung: Das Prinzip ist übertragbar
Was im Zivilprozess funktioniert, entfaltet auch in der öffentlichen Verwaltung seine Wirkung. Das Grundproblem ist identisch: Komplexe Regelwerke treffen auf umfangreiche und unstrukturierte Sachverhalte.
Ein aktuelles Beispiel aus Thüringen zeigt, wie dieser Ansatz Genehmigungsverfahren beschleunigt. In Zusammenarbeit mit dem dortigen Digitalministerium und lokalen Bauaufsichtsbehörden setzen wir Rulemapping ein, um Baugenehmigungen effizienter zu prüfen.
Interessiert an einem Proof-of-Concept? Wir erstellen für Sie kurzfristig eine Rulemap auf Basis Ihrer Regelwerke, damit Sie die automatisierte Prüfung an eigenen Testfällen erleben können.
Kontakt: Benjamin Meyer VP Sales & Business Development Rulemapping Solutions GmbH benjamin.meyer@rulemapping.com
Website: Rulemapping – Startseite
Digitalisierung in Tagen – nicht in Monaten
Ein zentrales Feedback des Summits war die Sorge vor langen Implementierungsphasen. Häufig wurde gefragt: „Wie lange dauert es, bis unsere Gesetze digitalisiert sind?“
Hier konnten wir vor Ort positiv überraschen: Dank neuer KI-gestützter Verfahren sind wir heute in der Lage, aus einem Normtext (Gesetz oder Richtlinie) innerhalb kürzester Zeit einen ersten Entwurf einer Rulemap zu erzeugen. Was früher ausschließlich durch aufwendige manuelle Arbeit möglich war, gelingt nun in einem Bruchteil der Zeit. Für die das ausführende Organ eröffnet das einen klar strukturierten, schnellen Prozess:
- Eingang der Unterlagen: Wir erhalten die Norm, Richtlinie, den Gesetzestext oder weitere Dokumente, gegen die geprüft werden soll.
- Erster Rulemap-Entwurf: Die KI erstellt einen Erstentwurf der Rulemap.
- Gemeinsame Verfeinerung: Zusammen mit den Kund:innen schärfen wir die Logik und die Informationen an den einzelnen Tatbestandsmerkmalen.
- Frühes Testen: Nach wenigen Tagen werden erste Muster- bzw. Testakten durch das System geprüft, um die Funktionsfähigkeit unmittelbar zu validieren.
Fazit: „Law-as-Code“ macht Effizienz rechtsstaatlich
Der Digital Justice Summit hat deutlich gemacht: Die Technologie ist bereit. Wenn wir Normen nicht mehr nur als Text, sondern als ausführbaren Code verstehen („Law-as-Code“) und diesen Ansatz mit der analytischen Leistungsfähigkeit moderner KI verbinden, können wir den vermeintlichen Widerspruch zwischen Rechtsstaatlichkeit und Effizienz auflösen.