Elterngeld
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ELFEConnect vereinfacht den Datenabruf

Weniger Aufwand für Eltern und Verwaltung beim Elterngeld

Wie kann die Verwaltung durch digitale Lösungen effizienter und bürgerfreundlicher werden? Mit ELFEConnect wurde in Bremen eine Anwendung entwickelt, die den Abruf von Gehalts- und Einkommensdaten im Elterngeldverfahren erstmals ermöglicht. Im Interview erklärt Projektleiterin Katrin Vogt, wie ELFEConnect funktioniert, welche Herausforderungen es gab und welche Vorteile sich für Eltern und Verwaltung ergeben.

Verwaltung der Zukunft: Können Sie ELFEConnect kurz erklären und was passiert technisch im Hintergrund beim Datenabruf?

Katrin Vogt: ELFEConnect ist eine Komponente, die es Behörden ermöglicht, Gehalts- und Einkommensdaten elektronisch abzurufen. Aus den Eingaben einer Behörde erstellt ELFEConnect automatisch die jeweilige Anfrage an die Rentenversicherung für Gehaltsdaten oder an die Finanzverwaltung für Einkommensdaten. Beim Abruf der Gehaltsdaten wird die Anfrage von ELFEConnect an die Datenstelle der Deutschen Rentenversicherung weitergeleitet. Dort erfolgt zunächst die Identifizierung der Antragsteller:in, also die Prüfung, ob die Person anhand der übermittelten Angaben eindeutig im System erkannt werden kann und ob für den angefragten Zeitraum ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis vorliegt. Ist die Identifizierung erfolgreich und werden entsprechende Beschäftigungsverhältnisse gefunden, fragt die Rentenversicherung die Gehaltsdaten bei den jeweiligen Arbeitgebern über das rvBEA-Verfahren („Rentenversicherung – Bescheinigungen elektronisch anfordern“) an. Die Anfrage wird dabei an die jeweilige Lohnsoftware der Arbeitgeber (z. B. Datev) übermittelt und automatisch beantwortet. Anschließend werden die Gehaltsdaten zurück an die Rentenversicherung und an ELFEConnect übermittelt, wo sie den Behörden menschen- und maschinenlesbar zur Verfügung gestellt werden. Beim Abruf der Einkommensdaten wird die Anfrage von ELFEConnect an die zentrale Datenstelle DAME der Finanzverwaltung NRW gesendet. Auch hier erfolgt zunächst die Identifizierung der Antragsteller:in. Ist diese erfolgreich, stellt DAME eine Anfrage an die Finanzverwaltungen aller 16 Bundesländer. Liegen dort Daten vor, werden diese an DAME zurückgemeldet. Sobald alle Antworten eingegangen sind, übermittelt DAME die gebündelten Ergebnisse an ELFEConnect, das die Daten wiederum menschen- und maschinenlesbar für die Behörden bereitstellt.

VdZ: Welches konkrete Problem im Elterngeldprozess wollten Sie mit ELFEConnect lösen?

Vogt: Zum einen wollten wir eine Vereinfachung der Antragsstellung auf Seiten der Bürger:innen.

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Zum anderen wollten wir eine Entlastung bei der Antragsbearbeitung auf Seiten der Verwaltung.

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VdZ: Welche Register und Datenquellen sind angebunden und wie stellen Sie dabei Datenqualität und Datensparsamkeit sicher?

Vogt: Angebunden sind die Datenstelle der Deutschen Rentenversicherung für Gehaltsdaten, DAME der Finanzverwaltung NRW für Einkommensdaten sowie die Krankenkassen für das Mutterschaftsgeld, wobei Letzteres sich aktuell noch in der Umsetzung befindet.

Die Datenqualität wird dadurch sichergestellt, dass die abgerufenen Daten rechtlich festgelegt sind. Gleichzeitig wird Datensparsamkeit gewährleistet, da Behörden über ELFEConnect nur genau die Daten abrufen können, die sie tatsächlich benötigen. So ist beispielsweise im Abruf der Finanzverwaltung eine Logik hinterlegt: Liegt das Einkommen über der Bezugsgrenze des Elterngeldes (aktuell 175.000 €), erhält die Behörde lediglich diese Information, ohne weitere Details zum Einkommen.

VdZ: Was verändert sich durch ELFEConnect konkret für Eltern und Sachbearbeiter*innen im Alltag?

Vogt: Durch ELFEConnect verändern sich im Alltag sowohl für Eltern als auch für Sachbearbeiter*innen mehrere Abläufe. Eltern müssen bei der Antragsstellung keine Gehalts- oder Einkommensnachweise mehr per Post oder Upload beifügen. Auch wenn sie während der Elternzeit Einkommen beziehen, entfällt nach der Elternzeit die erneute Übermittlung von Gehalts- oder Einkommensdaten per Post oder Upload an die Elterngeldstelle. Gleichzeitig können Sachbearbeiter:innen die konkret benötigten Daten elektronisch abrufen, sodass ein Nachfordern von Unterlagen nicht mehr notwendig ist. Zudem erhalten sie die Daten bereits aufbereitet, also sortiert und vollständig.

VdZ: Ein großer Vorteil ist die Nachnutzbarkeit: Wie gelingt es, dass andere Behörden ELFEConnect ohne großen Aufwand einsetzen können?

Vogt: Durch die Nutzung von bereits vorhandenen Komponenten und Standards kann ELFEConnect einfach nachgenutzt werden. Zudem zeichnet sich die Lösung durch eine sehr benutzerfreundliche Gestaltung und eine einfache Handhabung aus, die in Zusammenarbeit mit den Elterngeldstellen entwickelt wurde, um sicherzustellen, dass die Nutzung auf die Bedürfnisse der Sachbearbeiter:innen ausgelegt ist.

VdZ: Welche messbaren Erfolge konnten Sie bisher beobachten?

Vogt: Bisher konnten mehrere messbare Erfolge beobachtet werden. So erfolgen bereits mehr als 1000 Datenabrufe pro Monat. Zudem stimmen über 90 % der Antragsteller:innen dem Datenabruf durch die Behörde zu (Quelle Bremen). ELFEConnect gilt außerdem als „Pionier-Projekt“, da es den Abruf von Gehalts- und Einkommensdaten im Bereich Elterngeld erstmals umgesetzt hat. Darüber hinaus kommt von allen bisher an der Pilotierung beteiligten Behörden durchweg positives Feedback.

VdZ: Wie stellen Sie sicher, dass Datenschutz und Datensicherheit bei sensiblen Einkommensdaten gewährleistet sind?

Vogt: Alle Datenabrufe erfolgen über sichere und etablierte Kommunikationskanäle. Zudem sind die Daten, die von einer Behörde abgerufen werden, ausschließlich für diese einsehbar. Die abgerufenen Daten werden nur temporär für eine rechtlich bestimmte Dauer vorgehalten und anschließend gelöscht. Darüber hinaus wird jeder Abruf so protokolliert, dass er bei Bedarf nachvollzogen werden kann. Der Betrieb von ELFEConnect erfolgt außerdem BSI-Grundschutz konform.

VdZ: Wie sieht die Zukunft von ELFEConnect aus, welche nächsten Schritte und Erweiterungen sind geplant?

Vogt: Die Zukunft von ELFEConnect umfasst mehrere konkrete nächste Schritte und Erweiterungen. Geplant ist zunächst der Abschluss der Entwicklung des Abrufes (Mutterschaftsgeld). Darüber hinaus ist die Umsetzung der Schnittstelle zur direkten Anbindung von Fachverfahren der Behörden vorgesehen, um einen automatisierten Datenabruf zu ermöglichen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen, damit künftig auch weitere Behörden – da bisher nur Elterngeldstellen den Abruf nutzen dürfen – Gehalts- und Einkommensdaten abrufen können.

💡ELFEConnect ist eine digitale Lösung aus Bremen zur Vereinfachung der Beantragung von Elterngeld, indem notwendige Einkommens- und Nachweisdaten erstmals direkt elektronisch von Behörden abgerufen werden. Dadurch entfällt für Antragstellende ein Großteil der bislang aufwendigen Nachweiserbringung, was den Prozess deutlich beschleunigt und vereinfacht. Gleichzeitig profitieren auch die Elterngeldstellen von einer höheren Datenqualität und reduzierten manuellen Bearbeitungsschritten. Technisch basiert ELFEConnect auf einem Onlinedienst (WebUI) sowie einem Backend zur Anbindung verschiedener Register und zur Steuerung des Datenaustauschs.