Ethical Literary: Abwägen von ethischen Gesichtspunkten
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Ethical Literacy als persönliche Kernkompetenz für das Verwaltungshandeln

Wie aus Eigeninteresse Gemeinwohl werden kann

Unter Ethical Literacy versteht man die Einbeziehung ethischer Fragestellungen im Umgang mit Daten. Eine ethische Komponente muss also in allen Schritten der Datensammlung, -verarbeitung und -weitergabe stets mitbedacht werden. Auch für das Verwaltungshandeln stellt Ethical Literacy angesichts stetig wachsender Datenmengen eine immer wichtiger werdende Kompetenz dar. Doch wie lässt sich ein ethischer Umgang mit Daten in diesem Kontext erlernen?

Hendrik Müller

Das ethische Empfinden jedes Einzelnen beruht auf höchst individuellen Werten und viele Entscheidungen treffen wir ohne Kenntnis des dahinter liegenden Wertesystems. Dieses persönliche System balanciert bestenfalls unsere Primärwerte wie Freiheit, Gleichheit oder Gerechtigkeit mit den Sekundärwerten oder instrumentellen Werten wie Fleiß, Pünktlichkeit, Hilfsbereitschaft aus.

Das Barrett Values Centre, ein von dem Briten Richard Barrett im Jahr 1997 gegründetes Institut zur Kulturentwicklung und Kulturtransformation in Organisationen, bietet ein online frei verfügbares Tool an, mit dem man seine Werte überprüfen kann. Mithilfe des Personal Values Assessment lässt sich in Minuten ermitteln, welche Wertvorstellungen uns im beruflichen Kontext und im Alltag leiten.

Gerade im Kontext des Verwaltungshandels erscheint dabei die Unterteilung in Werte der Kategorie „self-interest“ wie Sicherheit, Anerkennung, Zugehörigkeit und „common good“ zentral: Denn gerade hier sind Entscheidungen mit der Maßgabe des Gemeinwohls zu treffen, bei dem gerade nicht die eigenen Interessen im Vordergrund stehen. Dieser Transformationsprozess vom Eigeninteresse zum Gemeinwohl kann nur gelingen, wenn man ein klares Bild von sich selbst und seinen Wertvorstellungen hat.

Ganz konkret verbietet sich in der Praxis aus Sicht der Ethical Literacy die bewusste Manipulation von Statistiken, um mithilfe der Technik des „Nudging“ bestimmte Entscheidungen zu forcieren. Allerdings kann auch eine objektiv und korrekt vorgenommene Datenanalyse zu ethisch fragwürdigen Ergebnissen führen, wenn sie Diskriminierungen zur Folge hat. Die Autorinnen des Frameworks für Data Literacy in der Schriftenreihe des Hochschulforums Digitalisierung (HFD) führen das Beispiel der Preisgestaltung von Krankenversicherungstarifen an:

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Obwohl die durchschnittlichen Krankheitskosten von Frauen höher sind, darf deshalb das Geschlecht nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs nicht mehr als Risikofaktor in die Tarifgestaltung einfließen. Zur Aufgabe, ein solches Risiko-Scoring handwerklich korrekt durchzuführen, gesellt sich also unmittelbar die Herausforderung, die Zulässigkeit des Scorings zu beurteilen, das heißt seinen Gebrauch und potenziellen Missbrauch zu beurteilen“.

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In einem engen Zusammenhang mit der Ethical Literacy stehen auch die Grundsätze der ethischen Führung („Ethical Leadership“): Nur ein Vorgesetzter, der sein Führungsverhalten an ethischen Prinzipien wie Gleichbehandlung, Fairness und Prinzipientreue ausrichtet und dies seinen Mitarbeitern vorlebt. Sonst führt die Diskrepanz zwischen erlebtem Führungsverhalten und eigenem ethischen Selbstbild langfristig zu Unzufriedenheiten und Frustration. Auch unterschiedliche Führungsstile basieren auf neben situationsbedingten oder organisationalen Faktoren auf der individuellen Veranlagung und dem Wertesystem.

Ethisches Führungsverhalten

D. Enste, T. Eyerund und I. Knelsen identifizieren in ihrer Arbeit "Führung im Wandel" die vier Bereiche "Persönlichkeit und Werte", "Tradition und Autorität", "Adaption und Umstrukturierung" sowie "Partizipation und Teams", die sich zum Teil überlagern und eine Schnittmenge bilden. Diese Bereiche unterliegen zudem externen Einflüssen, wie etwa den Erwartungen der Mitarbeiter oder dem Unternehmenskontext. 

Doch neben einer festen ethischen Orientierung brauchen Kommunen aber auch klare rechtliche Vorgaben. Gerade kleinere Kommunen haben aber genau an diesem Punkt häufig Unsicherheit: Wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, stellen drei Viertel der Kommunen in Deutschland bereits offene Daten zur Verfügung; das übrige Viertel wird durch mangelnde Ressourcen oder einen geringen Digitalisierungsgrad ausgebremst. Hier könnte durch die für den Juli dieses Jahres angekündigte Novelle der Public Sector Information-Richtlinie („PSI-Richtlinie“) Klarheit geschaffen werden. Insgesamt sollten bei der Thematik Open Data auch die Bedürfnisse der Nutzer stärker in den Blick genommen werden - ganz im Sinne des „common good“, der das individuelle Verwaltungshandeln leiten sollte.

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