Dr. Markus Reichel
© Frank Grätz

EUDI-Wallet: Herzstück der Verwaltung

Dr. Reichel im Interview

Die EUDI-Wallet gilt als eines der zentralen Digitalvorhaben für Staat und Verwaltung in den kommenden Jahren. Im Interview erläutert Dr. Markus Reichel, welche Fortschritte bereits erzielt wurden, wo die größten Herausforderungen liegen und warum das Projekt weit über eine reine Identitätslösung hinausgeht.

Verwaltung der Zukunft: Sie haben kürzlich ein fachübergreifendes Gespräch zur EUDI-Wallet im Bundestag gemeinsam mit Parsa Marvi organisiert. Welche zentralen Erkenntnisse haben Sie daraus mitgenommen?

Dr. Markus Reichel: Als gemeinsame Organisatoren des Informationsgesprächs wollten wir Raum für Aufklärung, Austausch und Fragen schaffen. Viele Abgeordnetenkollegen hatten bisher eher weniger Berührungspunkte für eines der wichtigsten Digitalprojekte dieser Legislaturperiode, weshalb es Parsa Marvi und mir ein Anliegen war, die Entwicklungsakteure der SPRIN-D der staatlichen EUDI-Wallet mit unseren Fraktionskollegen zusammenzubringen. Dieser Austausch hat sehr großen Anklang gefunden: über 80 Teilnehmer, davon mehr als die Hälfte Abgeordnetenkollegen an einem Dienstagmorgen um 8 Uhr und noch zahlreiche weitere Teilnehmer, die virtuell zugeschaltet waren, sprechen für sich. Somit haben wir unser Ziel, allen Teilnehmern die EUDI-Wallet, den Entwicklungsstand, als auch die Möglichkeiten näherzubringen, erreicht.

VdZ: Der IT-Planungsrat hat mit der Deutschland-Architektur und dem Deutschland-Stack einen wichtigen Beschluss gefasst. Ist das aus Ihrer Sicht der Durchbruch, den die digitale Verwaltung bisher gebraucht hat?

Dr. Reichel: Auf der einen Seite ist es ein Durchbruch, auf der anderen Seite ist es Startpunkt für weitere Umsetzungsschritte. Ich bin sehr froh, dass Bund und Länder über wesentliche Fragen in Übereinkunft gekommen sind und einen großen Hebel umgelegt haben, aber da hört die Arbeit nicht auf, vielmehr fängt sie hier erst richtig an. Die einzelnen Komponenten und Schichten des Deutschland-Stacks müssen letztlich entwickelt, bereitgestellt und miteinander verzahnt werden. Die EUDI-Wallet wird sicherlich das Herzstück dieses Stacks sein, da sie der Dreh- und Angelpunkt für ganz viele Funktionalitäten sein wird, die unser aller Leben einfacher machen werden.

VdZ: Die EUDI-Wallet soll ab 2027 verfügbar sein. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen bis dahin?

Dr. Reichel: Als Herzstück des Deutschland-Stacks bildet die EUDI-Wallet eine zentrale Komponente, die unser aller Leben einfacher machen wird. In Bezug auf den Entwicklungsverlauf schaue ich insbesondere auf die neuralgischen Punkte: organisatorisch ist das sicherlich der PIN-Rücksetzdienst, technisch gesehen die Anforderungen an die EUDI-Wallet als auch das Zusammenspiel aller Akteure im Ökosystem, als auch kommunikativ die Frage, wie das Projekt öffentlichkeitswirksam platziert wird, sodass ähnliche Fehler wie in Großbritannien oder der Schweiz nicht passieren. Rechtlich müssen wir die Einführung der Wallet vorbereiten. Das Einführungsgesetz für die EUDI-Wallet wird also schon sehr bald in das parlamentarische Verfahren kommen.

VdZ: Gibt es ein Praxisbeispiel oder einen konkreten Anwendungsfall, auf den Sie sich besonders freuen?

Dr. Reichel: Das einzigartige an der Wallet ist, dass sie nicht nur im Bereich Identifikation Anwendung findet, sondern ganz viele unterschiedliche weitere Funktionen über Authentifizierung, Qualifizierter Elektronischer Unterschrift (QES) oder auch Digitaler Nachweise haben wird. Damit ist sie quasi ein Schweizer Taschenmesser – nur Made in Germany. Ich freue mich am meisten über die digitale Nachweisfunktion, womit physische Behördengänge der Vergangenheit angehören werden, sofern man diesen Service nutzen möchte.

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Dr. Markus Reichel auf dem 11. Zukunftskongress Staat & Verwaltung, mit Hagen-Joachim Saxowski (BMDS) und Viola Piegelbrock (DRV Bund).

VdZ: Wie kann sichergestellt werden, dass Bürger*innen der EUDI-Wallet wirklich vertrauen?

Dr. Reichel: Indem wir den Grundsätzen wie „Security-by-Design“, „Datensparsamkeit“ oder „Zero Trust“ folgen. Darüber hinaus haben wir in Deutschland mit dem Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik eine der besten Sicherheitsbehörden der Welt mit dem härtesten Prüfsiegel. Es ist schon ein starkes Signal, dass das BSI von Anfang an im Entwicklungsprozess eingebunden ist, weshalb ich das Projekt in guten Händen sehe.

VdZ: Beim Forum auf dem Zukunftskongress diskutieren Sie gemeinsam mit Vertreter*innen aus Verwaltung und Praxis. Welche Perspektiven oder auch kontroversen Punkte erwarten Sie dort?

Dr. Reichel: Der Zukunftskongress verbindet, wie kaum ein anderes Format alle wichtigen Akteure hinter dem, worauf es für uns alle ankommt – die Zukunft unseres Staates und der Verwaltung. Umso mehr freue ich mich wieder auf den Austausch mit diversen Akteuren aus unterschiedlichsten Bereichen, welche alle ihre Perspektiven auf die spannendsten Fragen rund um die Zukunft, der Architektur und der Funktionsweise unseres Staates werfen.

VdZ: Wenn Sie den Besucher*innen des Forums eine Sache mitgeben könnten: Warum lohnt es sich, sich gerade jetzt intensiv mit der EUDI-Wallet zu beschäftigen?

Dr. Reichel: Die EUDI-Wallet wird unser aller Umgang und Handeln im digitalen Raum fundamental verändern und das bereits morgen, bzw. um genau zu sein ab dem 02.01.2027. Der Digitalminister hat früh in seiner Amtszeit das Potenzial dieses Projektes erkannt und es zur Chefsache gemacht. Das ist meiner Meinung nach genau richtig. Schließlich wird kein Digitalprojekt so nah am Bürger sein, wie die EUDI-Wallet. Jeder Bürger kann ab dem 02.01. die Wallet buchstäblich in der Hand halten – auf seinem Smartphone und das ist wirklich einzigartig!

Dr. Markus Reichel auf dem 12. Zukunftskongress Staat & Verwaltung

Zukunftsforum I.II.2 

🎤  Wie die EUDI-Wallet Deutschland digital verbindet

🗓️ 09. Juni 2026, 12:15-13:15 Uhr