Schüler mit Lehrbuch vor Tafel
© Pixabax / geralt

Themenfeld Bildung: Mit "Schüler Online" in die digitale Zukunft

Wiebke Borchert vom KDN über den Stand der OZG-Umsetzung im Umsetzungsprojekt Schulaufnahme und -wechsel

In Nordrhein-Westfalen arbeiten Land und Kommunen Hand in Hand, um Schulanmeldungen online zu ermöglichen. Der Dachverband kommunaler IT-Dienstleister KDN plant und koordiniert das Umsetzungsprojekt in NRW und darüber hinaus.

Wiebke Borchert

Das Themenfeld Bildung umfasst 20 OZG-Leistungen aus den Lebenslagen „Berufsausbildung", „Schule", „Studium" und „Weiterbildung" und ist stark vom Bildungsföderalismus in Deutschland geprägt. Das macht eine Umsetzung nach dem Einer-für-Alle-Prinzip (EfA) nicht einfach. Umso besser, dass NRW bereits eine kommunale Lösung für die Schulanmeldung hat, die nun weiterentwickelt und OZG-fit gemacht wird. Ein großer Mehrwert für Eltern und Schüler*innen und eine echte Erleichterung für Kommunen, Kreise und Schulen! 

In NRW werden jährlich mehrere hunderttausend Schulanmeldungen für alle Schulstufen bearbeitet, mehr als 150.000 Schüler*innen besuchen pro Jahr erstmals eine Grundschule. Diese beeindruckenden Zahlen verdeutlichen, wie groß das Digitalisierungspotenzial in diesem Bereich ist. Auch die Kommunen in NRW haben im gemeinsamen kommunalen Themenfeld-Workshop im Dezember 2019 den Bereich „Schulaufnahme und -wechsel“ als wichtigste Verwaltungsleistung im Bildungsbereich eingestuft. 

Das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) hat sich bereits frühzeitig auf den Weg gemacht und bietet mit Schüler Online seit mehr als 15 Jahren ein Online-Anmeldeverfahren für die Bildungsangebote der Sekundarstufe II an Gymnasien, Gesamtschulen und Berufskollegs an. Entwickelt wurde Schüler Online auf Nachfrage von Kommunen in NRW. Dadurch ist eine Lösung entstanden, die sich konkret an den Bedürfnissen der vollziehenden Stellen orientiert und einen echten Mehrwert bietet. Für sie ist Schüler Online mehr als nur ein Informations- und Anmeldeportal. Für die Kommunen und Schulen dient es vielmehr auch als Steuerungs- und Planungsinstrument, zur Überwachung der Schulpflicht und der Anschlusssicherung von Schüler*innen sowie als Statistik-Tool. Damit erfüllt Schüler Online bereits einen Großteil der Anforderungen des Onlinezugangsgesetzes und bietet auch über das OZG hinaus einen hohen Mehrwert für alle Beteiligten. Das Angebot wird von den Schulen in ca. 75 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte in NRW genutzt – Tendenz steigend. Auch in Niedersachsen wird Schüler Online in einigen Regionen eingesetzt. 

"Schüler Online" wird OZG-fit

Gemeinsam mit dem KDN, dem Ministerium für Schule und Bildung NRW und kommunalen Schulexpert*innen aus NRW hat das krz begonnen, Schüler Online OZG-konform weiterzuentwickeln. Schulanmeldungen zur Grundschule, den weiterführenden Schulen und zu den Bildungsangeboten der Sekundarstufe II werden künftig rein digital und einfach möglich sein. Dabei wird auch die Anbindung an das Servicekonto.NRW und das Kommunalportal.NRW ermöglicht. Im Zuge der OZG-Umsetzung wird nun ein noch stärkerer Fokus auf die Bedürfnisse der Nutzer*innen gelegt als bisher. Mithilfe eines FIM-Methodenexperten hat das Projektteam standardisierte Datenfeldschemata erarbeitet. Diese spiegeln den Antrag aus Nutzer*innensicht wider und berücksichtigen die Vorgaben aus dem Schulverwaltungssystem Schild-NRW. Auch die enge Zusammenarbeit mit dem Schulministerium NRW ist von großer Bedeutung. Die zuständigen Referate überprüfen derzeit die Datenfelder auf ihre fachliche und rechtliche Richtigkeit. 

Die ersten, noch nicht freigegebenen Entwürfe von Datenfeldschemata und Leistungsbeschreibungen, die nach Systematik des Föderalen Informationsmanagement (FIM) erstellt wurden, sind bereits frei zugänglich. Sie sind über das Digitalisierungsdashboard der Kommunen in NRW unter ozg.kdn.de aufrufbar, der Open Source-Datenbank des KDN für alle OZG-Informationen. Der direkte Link zum Projekt: https://ozg.kdn.de/umsetzungsprojekte/details/schulaufnahme-und-wechsel 

Schulanmeldung digital: Schüler Online im Ist- und Soll-Zustand
© KDN

„Wir sind dankbar für die Chance, mit Schüler Online ein Anmeldeportal von der Grundschule bis zum Berufskolleg schaffen zu können – und für die gute Unterstützung des KDN, des Ministeriums für Schule und Bildung und der kommunalen Expertinnen und Experten aus NRW“, sagt Ingo Niehues, Produktverantwortlicher beim krz und Projektleiter des OZG-Projekts „Schulaufnahme und -wechsel“. Das Umsetzungsprojekt wird von allen Stakeholdern mit hoher Priorität vorangetrieben und befindet sich in der Endphase der Konzeption. Die Arbeiten zur Weiterentwicklung der Lösung starten in Kürze. Es ist geplant, dass das System 2022 fristgerecht und vollumfänglich in Betrieb geht. 

Austausch mit Sachsen-Anhalt

Bei der OZG-Umsetzung geht es nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern vorhandene Potenziale zu nutzen. Deshalb setzt Nordrhein-Westfalen auf die Nachnutzung und Weiterentwicklung der etablierten und weit verbreiteten Anwendung Schüler Online, wodurch NRW auch im bundesweiten Vergleich sehr weit fortgeschritten ist. Derzeit finden Überlegungen statt, wie die Lösung auch anderen Bundesländern bereitgestellt werden kann. So ist das Projektteam aus NRW im Austausch mit der bundesweiten Themenfeld-Federführung in Sachsen-Anhalt. Der Bildungsföderalismus mit seinen 16 unterschiedlichen Schulgesetzen macht eine Nachnutzung nach dem Einer-für-Alle-Prinzip schwierig. Das Projektteam ist davon überzeugt, dass auch andere Bundesländer von der Vorarbeit profitieren können, auch wenn Anpassungen nötig sind. Letztlich müssen die Länder entscheiden, ob sie die umfangreiche Lösung aus NRW übernehmen wollen. Jedes Land muss – in Rücksprache mit den tatsächlich vollziehenden Stellen – abwägen, welcher Dienst sich am besten zur Nachnutzung eignet oder ob eine eigene Lösung auf Basis offener FIM-Informationen entwickelt werden muss. 

OZG-Umsetzung: Schülerbeförderung, Vergnügungssteuer, Blindenhilfe – geht das auch besser?

Das „OZG-Leistungsanalyseprojekt“ leistet einen Beitrag zur OZG-Umsetzung in Baden-Württemberg