Stimmung, Arbeitsmoral und Teamkultur gehören heute zu den zentralen Herausforderungen moderner Organisationen - nicht nur im öffentlichen Dienst. Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen in Verwaltungen häufig besonders anspruchsvoll: gesetzliche Vorgaben, gewachsene Strukturen und begrenzte Ressourcen prägen den Alltag vieler Teams.
Hinzu kommt eine Entwicklung, die in vielen Verwaltungen zunehmend spürbar wird: Immer mehr Wissen und Verantwortung liegen auf den Schultern einzelner Mitarbeitender. Neben der reinen Aufgabenmenge wächst vor allem die Komplexität der Themen – sei es durch Digitalisierung, neue gesetzliche Anforderungen oder steigende Erwartungen von Bürger:innen und Politik.
Umso spannender ist der Blick auf Verwaltungen, die bewusst in ihre Kultur investieren. Nicht aus einem akuten Problem heraus, sondern aus einer Haltung heraus.
Ein Blick nach Hohenstein
Im Hohensteiner Rathaus läuft vieles gut, sehr gut sogar. Das Team ist engagiert, die Zusammenarbeit funktioniert, und der Umgang ist geprägt von Vertrauen und Offenheit.
Und doch zeigt sich auch hier, was viele kleinere Verwaltungen kennen: Aufgaben bündeln sich auf wenigen Schultern, Ressourcen sind begrenzt und die Anforderungen wachsen stetig. Gleichzeitig geben gesetzliche Rahmenbedingungen und formale Vorgaben klare Strukturen vor, die den Handlungsspielraum im Alltag definieren.
Diese Faktoren lassen sich nicht kurzfristig verändern. Was jedoch sehr wohl gestaltbar ist: der Umgang damit im Team.
Investition in das, was oft zu kurz kommt
Hohensteins Bürgermeister Simon Baier hat sich daher bewusst entschieden, Zeit in die eigene Organisation zu investieren.
Nicht, weil etwas „schief lief“. Sondern weil klar war: Ein funktionierendes Team kann noch stärker werden, wenn es sich bewusst mit sich selbst auseinandersetzt.
In zwei halbtägigen Workshops arbeitete das Team gemeinsam an den Themen Teamspirit und Leitbildentwicklung. Dabei wurden nicht nur Stärken sichtbar gemacht, sondern auch Reibungspunkte offen angesprochen.
Im Fokus stand die Frage: Wie gelingt Zusammenarbeit, wenn Rahmenbedingungen nicht ideal sind – und trotzdem jeden Tag gute Arbeit geleistet werden muss?
Führung bedeutet, Räume zu öffnen
Ein zentraler Gedanke aus diesem Prozess lässt sich gut in den Worten von Bürgermeister Simon Baier zusammenfassen:
„Für mich bedeutet Führung nicht, immer alle Antworten parat zu haben, sondern die richtigen Fragen zu stellen und den Raum zu öffnen, in dem wir als Team gemeinsam Antworten finden. Wenn wir als Verwaltung langfristig leistungsfähig und attraktiv bleiben wollen, dann gelingt das nicht durch noch mehr Bürokratie und Kontrolle, sondern durch Vertrauen, Miteinander und eine klare gemeinsame Zielrichtung.“
Dieses Verständnis von Führung schafft die Grundlage dafür, dass Teams auch unter anspruchsvollen Bedingungen handlungsfähig bleiben.
Kultur als stabilisierender Faktor
Die gemeinsame Arbeit an Teamspirit und Leitbild hat im Hohensteiner Rathaus vor allem eines gestärkt: das Bewusstsein für die eigene Wirksamkeit als Team.
Nicht die Rahmenbedingungen haben sich verändert, sondern der Umgang damit.
Genau darin liegt ein entscheidender Hebel: Teams, die ein gemeinsames Verständnis von Zusammenarbeit entwickeln, können auch mit Unsicherheit, Komplexität und begrenzten Ressourcen deutlich besser umgehen.
Ein Impuls für andere Kommunen
Das Beispiel Hohenstein zeigt: Kulturarbeit ist kein „Nice-to-have“ und auch keine Maßnahme für Krisenzeiten.
Sie ist ein strategischer Ansatz, um Verwaltungen langfristig leistungsfähig, resilient und attraktiv zu halten.
Und sie beginnt nicht dann, wenn Probleme sichtbar werden, sondern lange davor.