Bosbach/ Wegweiser

Zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 – same procedure as every year!

Nein, die Polizeiliche Kriminalstatistik (kurz PKS) ist KEINE „Verurteilungsstatistik“. Sie sagt also nichts darüber aus, ob angezeigte/polizeilich erfasste Straftaten auch tatsächlich zu einer strafrechtlichen Sanktion geführt haben oder ob ein Ermittlungsverfahren – aus welchen Gründen auch immer – mit oder ohne Sanktion eingestellt wurde. Oder ob sich im Zuge von Ermittlungen vielleicht sogar ergeben hat, dass überhaupt keine Straftat begangen wurde. Soll es auch schon gegeben haben.

Dennoch ist die PKS aussagekräftig, denn sie zeigt strafrechtlich-relevante Entwicklungen auf, gibt Auskunft darüber, in welchen Deliktsbereichen positive oder auch negative Tendenzen erkennbar sind, wo sich geografisch Kriminalitätsschwerpunkte befinden, welche Altersgruppen besonders auffällig sind und nicht zuletzt gibt sie auch Hinweise auf mögliche Differenzen in der Kriminalitätsbelastung von deutschen und ausländischen Staatsbürgern – was natürlich Jahr für Jahr zu erregten Debatten führt.

Diese Debatten wird es mit Sicherheit auch zukünftig geben, jedenfalls so lange, wie die PKS ausweist, dass in bestimmten Deliktsbereichen ausländische Tatverdächtige überrepräsentiert sind, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Punkt.

Böse Zungen weisen in diesem Zusammenhang gerne auf ein Phänomen hin, das wir schon seit Jahren beobachten können: Während im klassischen TV-Format „Tatort“ häufig Migranten die Opfer sind – oder zumindest zu Unrecht verdächtigt werden –, tatsächlich aber Deutsche die hinterhältige Tat begangen haben (gerne Unternehmer mit finsteren Absichten...), ist es bei „Aktenzeichen XY ungelöst“ regelmäßig umgekehrt. Das aber dürfte eher dramaturgische als empirisch-relevante Gründe haben.

Wie dem auch sei:  Für 2025 weist die PKS 5.508.559 registrierte Fälle auf, gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang  von 5,6 %. Das ist zunächst einmal erfreulich. Kann es sein, dass eine tendenziell immer älter werdende Gesellschaft weniger kriminalitätsbelastet ist als eine jüngere? Im hohen Alter soll ja die Lust auf Schlägereien oder andere Delikte spürbar abnehmen.  Nicht nur unerfreulich, sondern besorgniserregend ist allerdings der Anstieg bei polizeilich erfassten Sexualdelikten und beim Wohnungseinbruchdiebstahl. 

Bei nichtdeutschen Tatverdächtigen (TV) liegt die Belastungszahl um den Faktor 2,6 über der Zahl deutscher Verdächtiger, wobei ausländerrechtliche Verstöße bereits herausgerechnet wurden.

Wer aber gilt als „nichtdeutscher Tatverdächtiger“? Zwar sind die beiden Gruppen schnell identifiziert (wer die deutsche oder neben einer anderen auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, ist ein deutscher Verdächtiger), alle anderen eben nicht. Dann aber wird es kompliziert. Bei den nichtdeutschen TV handelt es sich nämlich keineswegs um die Gruppe hier ansässiger, dauerhaft lebender Ausländer, dazu gehören auch reisende Täter aus dem Ausland, die hier Straftaten begehen und danach wieder ausreisen (wollen), kurz: reisende Täter.

Das zuvor Gesagte gilt analog auch für ausländische Touristen, die hier Straftaten begehen. Auch käme es in Geflüchtetenunterkünften öfter zu Gewalttaten,  so wird in Bayern die Asylbewerberunterkunft als häufigste Tatörtlichkeit bei Straftaten tatverdächtiger Zuwanderer angeführt. Da dort keine deutschen Staatsangehörigen leben, dient dieser Hinweis einer Versachlichung der Debatte.

Allerdings gibt es in diesem Kontext auch Argumentationen, die auf den ersten Blick etwas kurios wirken – und auf den zweiten auch. Beispiel: Laut PKS seien Algerier mit 3,443 % deutlich überrepräsentiert im Vergleich zu Deutschen. Aber, so ein Experte, „diese Zahl ist deutlicher schwieriger zu ermitteln und zu berechnen“.  Viele neu zugewanderte Algerier hätten keine Perspektive auf einen gesicherten Aufenthalt in Deutschland, so dass davon ausgegangen werden könne, dass „ein relevanter Teil nicht akkurat erfasst und gemeldet sei“. 

Im Klartext: Es sind bestimmt ganz viele Algerier illegal eingereist und haben kein Schutzgesuch gestellt. Daher konnten sie von den Behörden nicht erfasst werden. Dieser Teil ist vermutlich rechtstreu und begeht keine Straftaten. Daher ist der Anteil der algerischen Straftäter in Relation zur Gesamtzahl von Algeriern in Deutschland viel geringer als statistisch erfasst. Ah ja. 

Gut, dass es echte Experten gibt.


 

Der Autor, Wolfgang Bosbach, ist Kongresspräsident des Berliner Kongresses für Wehrhafte Demokratie. Von 1994 bis 2017 war er Mitglied des Deutschen Bundestages und dort unter anderem von 2000 bis 2009 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für den Bereich Innen- und Rechtspolitik und von 2009 bis 2015 Vorsitzender des parlamentarischen Innenausschusses.

Der 8. Berliner Kongress Wehrhafte Demokratie - Gesellschaftlicher Dialog für Innere Sicherheit, Verteidigungsfähigkeit und Zusammenhalt findet vom 29. bis 30. Juni 2026 im Hotel de Rome in Berlin statt.