Elena Yorgova-Ramanauskas
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Clever vernetzt im Saarland

VdZ-Interview mit CIO Yorgova-Ramanauskas: Wie die Landesregierung die Kommunen fit für die digitale Ära macht

Das kleine, idyllische Land im Westen setzt nicht nur auf Bits und Bytes. Im Fokus der saarländischen Kommunen steht neben der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) vor allem die ganzheitliche, digitale Transformation – von der kleinen Kommune bis zur gesamten Wirtschaft. Das Saarland hat als immerhin kleinstes Bundesland, das kein Staatstaat ist, viel zu bieten. Im VdZ-Interview verrät die CIO Elena Yorgova-Ramanauskas, wie digital das Land aktuell ist, wie die Verwaltung ein attraktiver Arbeitgeber bleibt, welchen Wandel die regionale Wirtschaft durchläuft und welche Learnings Saarbrückens Smart City Entwicklungsplan für das ganze Land bietet.

Verwaltung der Zukunft: Sie sind seit 2022 im Amt der CIO, Frau Yorgova-Ramanauskas. Wie ist Stand der Dinge bei der Digitalisierung der Kommunen?

Yorgova-Ramanauskas: Als Landesregierung arbeiten wir intensiv daran, das Angebot digitaler Serviceleistungen für die Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen zu erweitern.

Elena Yorgova-Ramanauskas ist seit 2022 Chief Digital Officer (CIO) und Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie des Saarlandes.
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Gleichzeitig müssen die verwaltungsinternen Arbeitsabläufe schneller, einfacher und nutzerfreundlicher gestaltet werden. Eine digitale Verwaltung kommt allen Menschen zugute. Beispielsweise verringert sie Wartezeiten, erleichtert die bürokratischen Anforderungen und kann manchen Behördengang komplett ersetzen.

Bei den Kommunen liegt das Hauptaugenmerk daher auf der Umsetzung des OZGs. Von 16 Fokusleistungen entfallen 12 auf unsere Kommunen. Fünf davon sind in Betrieb und vier in der technischen Realisierung. Das gesamte OZG-Leistungsbündel zu implementieren, wird uns aber noch etwas begleiten. Da haben wir zwar bereits große Fortschritte gemacht, sind aber noch nicht ganz zufrieden. Grundsätzlich kann die Verwaltungsdigitalisierung nur erfolgreich sein, wenn sie eine wirkliche Verbesserung für diejenigen mit sich bringt, die Verwaltungsleistungen in Anspruch nehmen – also Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen. Verwaltungsprozesse, die heute noch zu bürokratisch, zu langwierig und zu komplex organisiert sind, müssen vereinfacht, beschleunigt und leicht verständlich werden.

VdZ: Mit welchen Maßnahmen unterstützt die Landesregierung Kommunen dabei, ihre digitalen Serviceleistungen für die Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen zu erweitern?

Yorgova-Ramanauskas: Mir ist wichtig, dass wir unsere Kommunen auf allen Ebenen während des gesamten Prozesses mitnehmen und ihnen jede Unterstützung bieten, die sie brauchen. Konkret haben wir beispielsweise Kontaktgruppen eingerichtet, die sich alle zwei Wochen treffen.

Der Zweckverband EgoSaar bietet konkrete Maßnahmen für die erfolgreiche Umsetzung des OZGs.
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Darin beraten sich die Ansprechpartner aus der kommunalen Fachebene mit den OZG-Ressortkoordinatoren. Zudem haben wir mit dem Zweckverband eGo-Saar bereits vor 20 Jahren einen zentralen Ansprechpartner in Digitalisierungsfragen für Land und Kommunen geschaffen, der sich natürlich auch aktuell stark engagiert. Wir können nur gemeinsam erfolgreich sein, daher kooperieren das Land und der Zweckverband beim Monitoring und der Steuerung der OZG-Umsetzung sehr intensiv. Daneben arbeiten wir eng mit Hessen und Rheinland-Pfalz zusammen. Das tun wir, um eine leistungsfähige technische Infrastruktur zu gewährleisten.

VdZ: Das 2016 gegründete Landesamt für IT-Dienstleistungen, das in Ihren Zuständigkeitsbereich fällt, hat derzeit elf Stellen ausgeschrieben. Wie positionieren Sie sich als attraktiver Arbeitgeber?

Yorgova-Ramanauskas: In der Tat, die Fachkräftesicherung ist eine große Herausforderung. Wir befinden uns da stellenweise nicht nur in einem überregionalen, sondern in einem internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe. Bei der Bezahlung können wir natürlich nicht mit großen, globalen Konzernen mithalten. Glücklicherweise verliert die rein monetäre Betrachtung eines Arbeitsverhältnissens bei der jungen Generation immer stärker an Bedeutung.

Viele stellen die Frage nach der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit. Und genau das können wir den jungen Leuten bieten: Wer bei uns arbeitet, ist ein wichtiger Teil der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung. Deutschland ist eine der größten Wirtschaftsnationen der Welt. Um diesen Status und den damit einhergehenden Wohlstand zu halten, brauchen wir eine moderne, digitale Verwaltung. Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter leistet einen unverzichtbaren Beitrag, um dieses Land fit für die Zukunft zu machen.

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Genau das können wir den jungen Leuten bieten: Wer bei uns arbeitet, ist ein wichtiger Teil der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung.

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Elena Yorgova-Ramanauskas, Staatssekretärin und CIO im Saarland

Außerdem kümmern wir uns um die Work-Life Balance unserer Kolleginnen und Kollegen. Mit flexiblen Arbeitszeiten, einer echten 39,5 Stundenwoche bei 30 Tagen Jahresurlaub, attraktiven Homeofficeregelungen, Möglichkeiten der Weiterbildung sowie guten Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf kann der Öffentliche Dienst als attraktiver und moderner Arbeitgeber punkten.

VdZ: Wie kann die Verwaltungsdigitalisierung die Transformation der saarländischen Wirtschaft unterstützen?

Yorgova-Ramanauskas: Um ein Vielfaches! Ganz vorne steht natürlich die Einsparung von Zeit und Ressourcen. Beispielsweise können Anträge schneller bearbeitet und Genehmigungen schneller erteilt werden, was dann auch bei den Unternehmen zu einer insgesamt effizienteren Geschäftsabwicklung führt.

Durch Online-Plattformen und Portale können Informationen viel schneller übermittelt werden, um beispielsweise Anfragen zu stellen oder Genehmigungen zu beantragen. Auch Chatbots können das Tempo deutlich erhöhen. Überhaupt sind Daten eine wichtige Basis für Innovationen und neue Geschäftsmodelle. Open Data ist daher ein wichtiges Thema für viele Unternehmen. Beispielsweise können Unternehmen auf offene Daten zugreifen, um neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln oder um Datenanalysen durchzuführen, die zur Optimierung ihrer Geschäftsprozesse beitragen. Im Saarland arbeiten wir daher gerade an der Novellierung des E-Government-Gesetzes, mit dem wir umfangreiche Daten in allen Behörden des Landes zur Verfügung stellen.
Außerdem können Behörden mit Unternehmen oder Bildungseinrichtungen kooperieren und Schulungen zur Nutzung von digitalen Tools und Technologien unterstützen. Auch das leistet einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit unseres Standortes.

VdZ: Im Oktober letzten Jahres wurde der Smart City Entwicklungsplan beschlossen, um Saarbrücken digital zu transformieren. Was sind die ersten konkreten Schritte für 2024? Welche Bedeutung hat diese Modernisierung für das gesamte Saarland?

Yorgova-Ramanauskas: Fast jede fünfte Person lebt bei uns in der Landeshauptstadt. Damit ist Saarbrücken mit großem Abstand der bedeutendste Arbeitsplatzmagnet des Landes, was eine große Strahlkraft auf die gesamte Region hat.

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Smart City Lösungen sind für eine lebendige Demokratie sehr interessant, weil Entscheidungsprozesse transparenter werden und auch die Möglichkeiten des bürgerschaftlichen Engagements gefördert werden. Das bringt uns auch als Gesellschaft voran.

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Elena Yorgova-Ramanauskas, Staatssekretärin und CIO im Saarland

Verschiedene Projekte sind ja auch bereits gestartet, teilweise mit Unterstützung der Landesregierung. Ich sehe darin große Chancen, dass sich die Stadtverwaltung deutlich effizienter und auch nachhaltiger aufstellen kann. Wir dürfen Smart City Projekte aber nicht isoliert betrachten, sondern müssen sie strategisch miteinander verzahnen. Auch andere Städte im Saarland treiben diese Themen für sich sehr aktiv voran, z.B. Saarlouis und St. Wendel. Wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit verschiedener Akteure aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft.

Von diesen Projekten kann ein großer Impuls ausgehen für die Wirtschaftskraft und Lebensqualität in den Städten und Gemeinden. Außerdem haben solche Projekte auch einen positiven Einfluss auf die Nachhaltigkeit beispielsweise durch effizienteren Umgang mit Energie und Ressourcen. Darüber sind Smart City Lösungen auch für eine lebendige Demokratie sehr interessant, weil Entscheidungsprozesse transparenter werden und auch die Möglichkeiten des bürgerschaftlichen Engagements gefördert werden. Das bringt uns auch als Gesellschaft voran.