Ganzheitlicher Ansatz zur Verwaltungsmodernisierung
Public Leadership Award 2026: Landrätin Dagmar Schulz ausgezeichnet
Verwaltung der Zukunft: Herzlichen Glückwunsch zum Public Leadership Award in der Kategorie „Gute Politik und notwendige (Staats-)Reformen“! Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?
Dagmar Schulz: Ich freue mit sehr über die Anerkennung und Wertschätzung meiner und unserer Arbeit. Wir brauchen zukunftsorientierte und leistungsfähige Verwaltungen. Das gelingt nur im Einklang von Leitung und Team.
VdZ: Welche strategischen Schwerpunkte setzen Sie in der Verwaltungsmodernisierung im Landkreis Lüchow-Dannenberg?
Schulz: Im Landkreis Lüchow-Dannenberg verfolgen wir bei der Verwaltungsmodernisierung einen ganzheitlichen Ansatz, der den Menschen – sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch unsere Mitarbeitenden – in den Mittelpunkt stellt. Um den Anforderungen einer digitalen und dynamischen Gesellschaft gerecht zu werden, setzen wir auf vier strategische Schwerpunkte:
1. Digitalisierung und Serviceorientierung
Wir wollen Verwaltungsleistungen nicht nur digitalisieren, sondern sie bürgerorientiert neu denken. Unser Ziel im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist es, Dienstleistungen über alle Ebenen hinweg einfach, barrierefrei und vollständig online zugänglich zu machen. Die Digitalisierung von Prozessen muss zu einer spürbaren Erleichterung und Zeitersparnis im Alltag der Menschen und der Wirtschaft führen.
2. Einsatz innovativer Technologien
Um Verfahren spürbar zu beschleunigen und die Effizienz zu steigern, setzen wir verstärkt auf zukunftsweisende Technologien. Der verantwortungsvolle und datenschutzkonforme Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), Robotic Process Automation (RPA) und Extended Reality (XR) bietet enorme Potenziale.
3. Stärkung digitaler Kompetenzen und moderner Arbeitsstrukturen
Die beste Technologie entfaltet ihre Wirkung nur durch die Menschen, die sie anwenden. Wir investieren gezielt in die Fortbildung und die digitalen Kompetenzen unserer Mitarbeitenden, fördern agile Arbeitsmethoden und etablieren eine Kultur der Innovation.
4. Prozessoptimierung
Wir hinterfragen bestehende Prozesse kritisch, um unnötige regulatorische Hürden und Medienbrüche abzubauen. Durch schlankere Abläufe verkürzen wir die Bearbeitungszeiten von Anträgen und Genehmigungen. Das stärkt das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit unseres Staates und entlastet die administrative Praxis.
Die Modernisierung der Verwaltung im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Transformationsprozess.
VdZ: Sie haben in Ihrem Landkreis eine Stabsstelle Digitalisierung aufgebaut und das Prozessmanagement eingeführt. Welche Hürden mussten dabei zunächst überwunden werden?
Schulz: Der Aufbau einer Stabsstelle Digitalisierung und die Einführung eines systematischen Prozessmanagements sind tiefgreifende Transformationsprozesse, die weit über reine Technikfragen hinausgehen. Digitale Prozesse erfordern auch neue Kompetenzen bei den Mitarbeitenden. Arbeitsabläufe ändern sich zum Teil grundlegend, aus Papierakten wurden digitale Akten und aus Umlaufmappen digitale Workflows. Händische Unterschriften wurden durch qualifizierte, digitale Signaturen ersetzt. Solche Veränderungen rufen auch Skepsis hervor und benötigen Zeit.
Entscheidend ist dabei, dass Mitarbeitende den Mehrwert von digitalen Prozessen erkennen und in ihrer täglichen Arbeit spüren können. Das einheitliche Prozessmanagement sorgt dafür, dass Silo-Denken durchbrochen wird und Prozesse fachübergreifend gedacht werden. In gemeinsamen Terminen mit der Stabsstelle Digitalisierung werden lange bestehende Abläufe kritisch hinterfragt, Ideen können eingebracht werden. Die Beteiligung der Mitarbeitenden steht bei jeder Prozessoptimierung im Vordergrund.
VdZ: Welche Rolle spielt der Einsatz moderner Technologien wie KI, RPA und Virtual Reality heute in Ihrer Verwaltung und welche Ziele verfolgen Sie damit?
Schulz: Der Einsatz moderner Technologien wie KI, RPA und Virtual Reality ist ein fester Bestandteil unseres Arbeitsalltags.
Wir verfolgen damit u. a. folgende Ziele:
- Arbeitserleichterung
- Nutzung zur Aufarbeitung von Rückständen
- Förderung einer einheitlichen Bearbeitungsweise durch Automatisierung
- Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken
- Verantwortungsvolle und gemeinwohlorientierte Entwicklung und Nutzung von KI
- Entwicklung von KI-Lösungen als Beitrag für Umwelt und Klimaschutz
So realisieren wir eine leistungsstarke, bürgernahe Verwaltung, die technologischen Fortschritt mit gesellschaftlicher Verantwortung vereint.
VdZ: Wie erleben Sie die Wirkung dieser Veränderungen im Arbeitsalltag der Mitarbeitenden und im Service für die Bürgerinnen und Bürger?
Schulz: Durch den Einsatz verschiedener KI-Systeme werden die Mitarbeitenden bei unterschiedlichen Tätigkeiten in ihrem Arbeitsalltag unterstützt. Bestehende KI-Systeme bieten die Möglichkeiten der Übersetzung, Transkription, Dokumentation, Protokollierung, Text- und Bilderstellung, Recherche etc. Darüber hinaus wurde zusammen mit dem KI-Start-up straiqr.ai die kommunale KI-Plattform „intellex“ entwickelt, in der KI-Assistenten und KI-Agenten bei der Bewältigung von alltäglichen Tätigkeiten helfen.
Für die Bürgerinnen und Bürger haben wir insbesondere KI-Systeme in Betrieb gebracht, die im Rahmen der Barrierefreiheit unterstützen, wie z. B. Vorlese- und Übersetzungsfunktionen sowie die Übersetzung in leichte Sprache und den Einsatz des Kommunalen Gebärdensprach-Avatars auf der Webseite und dem Serviceportal. Zusätzlich ist in einigen Fachbereichen unsere virtuelle Telefonassistentin „Wendi“ im Einsatz, welche häufige Fragen beantwortet oder die Möglichkeit bietet, ein Anliegen zu hinterlassen, welches automatisch an die zuständigen Mitarbeitenden weitergeleitet wird. „Wendi“ spricht verschiedene Sprachen.
VdZ: Welche nächsten Schritte planen Sie für die weitere Modernisierung der Verwaltung in Lüchow-Dannenberg?
Schulz: Für die zukünftige Modernisierung des Landkreises Lüchow-Dannenberg sind umfassende, strategische Schritte geplant, die interne Optimierungen eng mit modernen Bürgerdiensten verknüpfen sollen.
Weiterhin ist vorgesehen, sämtliche Verwaltungsprozesse detailliert zu analysieren und zu optimieren, um so die Voraussetzungen für eine durchgängige, medienbruchfreie Ende-zu-Ende-Digitalisierung von der Antragstellung bis zur Bescheiderteilung zu schaffen. Darauf aufbauend soll die geplante Umsetzung der Registermodernisierung die Etablierung des Once-Only-Prinzips ermöglichen, während die zukünftige Einführung der EUDI-Wallet den Bürgerinnen und Bürgern sichere, mobile Identitätsnachweise direkt über das Smartphone eröffnen wird. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch ein neues Konzept, das mithilfe moderner Technologien eine stärkere und transparente Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ermöglicht.