Bereits in der Eröffnung des diesjährigen Kongresses machte der Parlamentarische Staatssekretär Philipp Amthor (BMDS) deutlich: Staatsmodernisierung dürfe keine politische Überschrift bleiben, sondern müsse als konkreter Fahrplan verstanden werden.
Deutschland kämpft mit schwachem Wirtschaftswachstum, einer Vertrauenskrise gegenüber staatlichen Institutionen, Fachkräftemangel und einem hohen Modernisierungsdruck. Gleichzeitig zeigen erfolgreiche Digitalisierungsprojekte in der Verwaltung aber auch, dass Fortschritte möglich sind. Die Frage ist daher längst nicht mehr, ob modernisiert werden muss, sondern wie schnell und konsequent die Umsetzung gelingt und auch flächendeckend ausgerollt wird.
In mehr als 100 Programmpunkten diskutierten rund 400 Mitwirkende aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Mit dabei waren auch Persönlichkeiten wie die CIOs der Bundesländer, Staatssekretär*innen, (Ober-) Bürgermeister*innen sowie Führungskräfte aus Wissenschaft und Digitalwirtschaft. Zu den Referierenden zählen unter anderem Prof. Dr. Ariane Berger (Landkreistag Sachsen-Anhalt), Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien und Chef der Staatskanzlei Nathanael Liminski (Nordrhein-Westfalen), Dr. Katrin Krömer (Bundesagentur für Arbeit), Staatsminister Dr. Fabian Mehring (Bayern) sowie Staatsrat Jan Pörksen (Hamburg).
Dabei standen Themen rund um Entbürokratisierung, Deutschland-Stack, EUDI Wallet, die Rolle von Führung und Kompetenzentwicklung sowie die Standardisierung und Zusammenarbeit über föderale Ebenen hinweg im Vordergrund. In den zwei Tagen kristallisierten sich mehrere zentrale Erkenntnisse heraus.
Die wichtigsten Learnings des 12. Zukunftskongresses
- Die Zeit der Konzepte ist vorbei Ein Satz zog sich durch zahlreiche Diskussionen: Konzepte gibt es genug. Nun geht es um die Umsetzung; entscheidend ist jetzt die Fähigkeit, konkrete Ergebnisse zu liefern. Mehrfach wurde gefordert, lieber 80 Prozent einer Lösung heute umzusetzen als 100 Prozent erst in einigen Jahren zu erreichen.
- Staatsmodernisierung ist eine Führungsaufgabe Modernisierung entsteht nicht allein durch Technologie, sondern durch Verantwortung, Priorisierung und Führung. Geschwindigkeit und die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen, wurden als entscheidende Faktoren für den Erfolg identifiziert.
- Digitalisierung braucht Aufgabenkritik Nicht jeder bestehende Prozess sollte digitalisiert werden. Verwaltung muss zunächst hinterfragen, welche Aufgaben und Regelungen überhaupt noch notwendig sind. Erst danach können Prozesse sinnvoll vereinfacht und digital umgesetzt werden.
- Der Deutschland-Stack wird zum zentralen Infrastrukturprojekt Gemeinsame Standards für Identität, Datenaustausch und Infrastruktur sollen verhindern, dass tausende parallele Einzellösungen entstehen. Digitale Souveränität entsteht durch gemeinsame Plattformen und verbindliche Standards.
- Digitale Dividende gibt es nur ohne Doppelstrukturen Mehrfach wurde betont, dass Digitalisierung nur dann Wirkung entfaltet, wenn analoge Parallelprozesse abgebaut werden. Der Weg führt langfristig zu einem „Digital Only“-Ansatz, bei dem digitale Verfahren zum Regelfall werden und persönliche Unterstützung dort angeboten wird, wo sie tatsächlich benötigt wird.
- Föderalismus braucht mehr Verbindlichkeit Das Problem sei nicht der Föderalismus selbst, sondern häufig die fehlende Verbindlichkeit der Zusammenarbeit. Gefordert wurden gemeinsame Standards, klare Governance-Strukturen und eine stärkere Bündelung von Kompetenzen – ohne die Vorteile regionaler Vielfalt aufzugeben.
- Moderne Verwaltung braucht neue Kompetenzen Von der Hamburg Digital Academy bis zum eGov-Campus zeigten zahlreiche Beispiele, dass Kompetenzentwicklung zu den Schlüsselaufgaben der kommenden Jahre gehört. Digitalisierung verändert nicht nur Prozesse, sondern auch Führung, Zusammenarbeit und Organisationskultur.
- Staatsmodernisierung ist Demokratiearbeit Immer wieder wurde auf das schwindende Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates verwiesen. Leistungsfähige Verwaltungsstrukturen sind deshalb weit mehr als ein Effizienzprojekt. Sie sind eine Voraussetzung für das Vertrauen in Demokratie und staatliche Institutionen.
Public Leadership Award 2026
Gemeinsam mit Kienbaum und dem Zeitverlag haben wir bereits zum vierten Mal herausragende Persönlichkeiten, Teams und Organisationen im Rahmen des Zukunftskongresses Staat und Verwaltung ausgezeichnet, die mit Leadership, Innovationskraft und Mut den öffentlichen Sektor voranbringen.
Der Award wurde 2026 in fünf Kategorien verliehen, die sich an den fünf Change Makern des 12. Zukunftskongresses orientieren.
Die diesjährigen Gewinnerinnen und Gewinner sind:
Kategorie 1: Award für Gute Politik & notwendige (Staats-)Reformen (Personality Award)
Landrätin Dagmar Schulz, Landkreis Lüchow-Dannenberg
Kategorie 2: Award für Sichere (digitale) Infrastrukturen & öffentliche IT-Landschaft (zwei Preisträger)
DiPlanung - die umfassende und webbasierte Lösung zur vollständigen und integrativen Verfahrensführung in der Bauleitplanung, Raumordnung und Planfeststellung, Freie und Hansestadt Hamburg
Digitale Baugenehmigung, Ministerium für Inneres und Bau Mecklenburg-Vorpommern
Kategorie 3: Award für Leadership
Leadership mit einem eigenen Führungsleitbild, Medizinischer Dienst Bayern
Kategorie 4: Award für Zukunftskompetenzen
Change Maker ausbilden – Zukunftskompetenzen systematisch in die Verwaltungsausbildung integrieren, Hochschule Darmstadt
Kategorie 5: Award für Zukunftstechnologien
KI Steuern - KI-unterstützte Identifikation risikoarmer Steuererklärungen, Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen
Die Vorstellung der einzelnen Projekte und Preisträger*innen finden Sie in den kommenden Wochen hier auf VdZ.
Eine Phase der Umsetzung beginnt
Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring warb für mehr Optimismus in der Modernisierungsdebatte. Statt ständig neue Probleme zu beschreiben, müsse es darum gehen, Lösungen umzusetzen und Fortschritte sichtbar zu machen. Sein Appell an die Teilnehmenden: „Lassen Sie uns aufhören zu jammern und zu problematisieren.“
Nach Jahren der Strategien, Agenden und Grundsatzdebatten beginnt nun die Phase der Umsetzung. Ob Deutschland bei Staatsmodernisierung, Digitalisierung und Verwaltungsreform vorankommt, wird sich nicht an weiteren Konzeptpapieren entscheiden, sondern daran, was in den kommenden Monaten tatsächlich umgesetzt wird.